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Kerker und Drachen

Toll, das es solche Spiele noch gibt. Abseits der Hochglanz-Mainstream-Formate ist mit “Legend of Grimrock” ein Spiel erschienen, das mein Rollenspielerherz höher schlagen lässt, und mich auf eine Zeitreise mitnimmt. Vor Jahren bin ich durch die Verliese in “Eye of the Beholder” und “Lands of Lore” gestreift, seit damals hat mich das Genre der “Dungeon Crawler” gepackt.

“Legend of Grimrock” kommt bewusst altmodisch daher, die Automap ist fast das einzige Zugeständnis an moderne Spiele. Ich danke den Entwicklern dafür, denn auf eigenhändiges Kartenzeichnen habe ich irgendwie keine Lust mehr.

Das Spielprinzip ist simpel. Eine Gruppe von vier Personen ist in einem mehretagigen Kerker eingesperrt, der mit fiesen Fallen, jeder Menge blutrünstiger Monster und vielen Rätseln gespickt ist. Krieger, Schurke, Magier, das sind die Klassen, daneben gibts ein paar Rassen zur Auswahl und das wars auch fast schon. Kein komplexes Charaktergebastel, sondern ein schneller Einstieg in die Action gibt es hier. Kurzes Intro, zack, stehen wir im Dungeon.

Was soll daran spannend sein? Einfach alles. Jedes Level ist gespickt mit Geheimnissen und Rätseln, Fallgruben, Schaltern, Hebeln, Teleportern und natürlich Monstern. Diesen rückt man mit Schwert, Axt, Bogen oder Zauberei zuleibe, ein Minimum an Taktik ist vonnöten, ansonsten gestaltet sich das System sehr einfach. Zauber müssen vor jeder (!) Anwendung mittels Runen zusammengeklickt werden, was schon ein wenig nervt. Aber hey, so merkt man sich die Runenkombinationen wenigstens.

Einige der Rätsel sind echte Kopfnüsse, manche erfordern Schnelligkeit und kreative Lösungen. Absolut gelungen! Die Kämpfe sind teils schwer, aber bisher (ich bin jetzt ungefähr zur Hälfte durch) schaffbar. Technisch macht das Spiel einen guten Eindruck, besonders die Lichteffekte sind Klasse. Fackelschein in den Kerkergängen lässt eine richtige Gänsehautstimmung aufkommen.

Schönes Spiel, noch dazu sehr günstig zu haben bei Steam.

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    Schöne neue (anonyme) Bewerbungswelt

    Vielleicht habe ich das auch einfach nicht verstanden. Kann schon sein. Vor ein paar Tagen ging durch die Medien, dass anonyme Bewerbungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen würden, unabhängig von Geschlecht, Alter etc., nur aufgrund der eigenen Qualifikation zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Wow, klingt ja toll. Und unerwartet. Naja – eigentlich nicht.

    Wenn man annimmt, dass normalerweise Personaler Entscheidungen für oder gegen bestimmte Bewerber_innen anhand von Name, Alter, Passfoto, Geschlecht und so weiter treffen, und die Qualifikation nur ein Faktor unter vielen ist, sollte es da etwa total überraschen, dass plötzlich “fairer” entschieden wird, wenn nur noch die Qualifikation einsehbar ist? Ich glaube nicht. Im Gegenteil, das war doch absolut vorhersehbar. Wenn es nur einen Parameter gibt, nach dem entschieden werden kann, dann spielen eben alle anderen (die ja nicht bekannt sind) automatisch keine Rolle. Wo ist denn hier die bahnbrechende Erkenntnis?

    Witzig auch, dass gleich von “erhöhter Chancengleichheit” die Rede ist, geht es doch in der beschriebenen Studie offenbar überwiegend darum, ob die Chance auf ein Vorstellungsgespräch durch anonyme Bewerbungen steigt. Wenn der Personaler tatsächlich etwas gegen Frauen, Ausländer oder sonstwen hat, dann hat die Einladung zum Vorstellungsgespräch noch gar nichts zu bedeuten.  Klar, man könnte argumentieren, dass die betreffende Person sonst gar nicht eingeladen worden wäre, aber mal ehrlich, wenn man jemanden nicht einstellen will, aus welchen Gründen auch immer, dann tut man’s auch nicht.

    Generell finde ich die Idee mit anonymen Bewerbungen nicht übel, wenngleich das in vielen Bereichen seiner Zeit wohl noch einige Jahrzehnte voraus ist. Wenn schon anonyme Bewerbung, dann müssen bitte auch unsinnige und antiquierte Dresscodes abgeschafft werden. Was nützt es mir denn als super qualifizierter Rocker/Punk/Goth, wenn mein Aussehen plötzlich meine Qualifikation unbedeutend macht und ich trotzdem nicht als Bankeangestellter mit Kundenkontakt eingestellt werde? Erhöhte Chancengleichheit? Für angepasste Mitläufer vielleicht, aber in vielen Branchen hätten Leute mit eigenem Stil nach wie vor wenig Chancen. Insofern halte ich das Ganze momentan für Augenwischerei, die nach “fair” klingen soll, es aber nicht ist.

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      (V)erspieltes Vergnügen?

      Vorhin habe ich gerade ein paar Runden auf den Schlachtfeldern von “Battlefield 3″ verbracht und mich tierisch gefreut, als ich nach 60 Kills mit meinem Scharfschützengewehr endlich durch das Freispielen des “Straight Pull Bolts” nachladen kann, ohne das Gewehr absetzen zu müssen. Klingt vielleicht nicht sonderlich spannend, aber normalerweise muss man bei einer Bolt-Action-Waffe zum Nachladen das Auge vom Zielfernrohr nehmen und verliert damit das Ziel aus den Augen.

      Spiele, in denen man durch gute Leistungen nach und nach bessere Waffen, Ausrüstung oder Talente freischaltet, motivieren doch gerade dadurch, dass man teils lange kämpfen muss, um die nächstbessere Waffe zu erhalten. Das hat mich schon damals bei BF2 enorm motiviert und tut es jetzt bei BF3 ebenso. Doch seit kurzem hätte ich die Möglichkeit, mir meinen Fortschritt auch gegen Geld erkaufen zu können. Wie, das ist nicht neu? Stimmt, bei free-to-play-Titeln ist das Standard, aber die kosten meist auch keine initialen 50 Euro.

      “Kit Shortcuts” nennt Electronic Arts die Angebote, sich für vergleichsweise viel Geld die freispielbaren Waffen schneller zu verschaffen. Abgesehen davon, dass ich kein zusätzliches Geld auszugeben bereit wäre, verderbe ich mir doch nicht selbst die Motivation, indem ich mir den Fortschritt erkaufe, statt ihn zu erspielen. Sicher, wie auch viele andere DLCs zu Spielen, werden sich die Kit Shortcuts ordentlich verkaufen (wobei die ja kein DLC im eigentlichen Sinne sind), aber für mich kommt das nicht in Frage. Das wäre ja in etwa so, als würde ich mir zum Release von Diablo III gleich einen Level 60 Charakter dazu kaufen. Total blöd.

      Naja, Electronic Arts hat eine weitere Möglichkeit zum Geldmachen gefunden und auf den virtuellen Schlachtfeldern werden bald Noobs mit den ganzen hochstufigen Waffen rumlaufen. Soll mir recht sein, ich putze die auch mit meinen erspielten Knarren von der Karte. Hooah!

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        Der Emilie-Effekt

        Ja, als “Plague Rat” bin ich vielleicht nicht ganz objektiv, aber ich kenne niemanden, der mich künstlerisch mehr inspiriert als die wunderbare Emilie Autumn. Seit ich vor Jahren das erste Mal über einen EA-Song bei youtube gestolpert bin, haben mich die Künstlerin, ihre Musik und das ganze Drumherum nicht mehr los gelassen.

        Ich neige normalerweise nicht zu heftigem “Fan-Tum”, aber bei EA habe ich schlicht keine Wahl. Zu tiefgründig sind die Texte, zu abwechslungsreich und kreativ sind ihre Alben, zu fantastisch das Styling, zu reizend die Bloody Crumpets, zu sympathisch die Künstlerin, als dass ich sie einfach nur “gut” finden könnte. Wo ihre Musik bei mir schon immer für gepflegte Melancholie und gleichzeitig gute Laune (nein, das ist kein Widerspruch) sorgt, sind die Liveshows immer ein unglaubliches Erlebnis.

        Emilie Autumn “Girls, Girls, Girls” live

        Besonders die enorme stilistische Bandbreite der Musik fasziniert mich immer wieder auf’s Neue, denn zwischen klassischer Musik, viktorianischen Klängen, verzerrter Violine und verspielter Elektronik offenbart Ms. Autumn immer wieder eine Unmenge an Ideen, Inhalten und Emotionen. Dabei können auch die rein instrumentalen Stücke wirklich Gänsehaut verursachen. So geht es mir immer bei “Face the Wall”.

        Emilie Autumn “Face the Wall” live

        Nach einem EA-Konzert bin ich immer für eine Weile unglaublich inspiriert, voll mit Ideen und fühle mich, aller Unbill der Welt zum Trotze, den ganzen Tag über gut und ausgeglichen. Ich nenne das den Emilie-Effekt. Leider kommt Emilie, die an sich eine wahrhaft vorbildliche Tourdisziplin an den Tag legt, immerhin spielt sie so gut wie jedes Jahr auch in Berlin, einfach immer noch nicht oft genug auf Tour, um die gute Laune ohne Durchhänger aufrecht zu erhalten.

        Immerhin erscheint mit “Fight Like A Girl” bald das neue Album, das dann ganz sicher ähnlich gut funktioniert wie ein Konzert. Release date, anyone???

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          Projekt “Carne Vale”, Bericht Ende 1. Quartal 2012

          Zwischenbericht zum Projekt, 6.4.2012.

          Ernährung ohne fleischliche Produkte ist etabliert, das Subjekt zeigt keine Anzeichen einer drohenden Rückfälligkeit. Selbst gemeinschaftliches Essen mit anderen Versuchspersonen, die ausdrücklich zum Fleischkonsum angeregt wurden, äußert sich nicht in abweichendem Verhalten des Subjekts.

          Gesellschaftliche Spannungen in familiärer oder beruflicher Beziehung sind nach einer kritischen Phase im Verlauf der ersten Testphase nicht mehr zu erwarten, Risiken werden hier als sehr unwahrscheinlich bewertet. Das Subjekt hat die angestrebten Verhaltensmuster des humorvollen Umgangs mit Äußerungen der Ablehnung gegenüber der vegetarischen Lebensweise geschickt in die eigene Lebenswelt eingeflochten und übertrifft damit alle Erwartungen.

          Es wird empfohlen, das Versuchsgebiet auszuweiten, beispielsweise durch eine längere Urlaubsphase, um die Resistenz des Subjekts gegenüber Einflüssen in fremder und vergleichsweise heißer Umgebung (Kreta) zu untersuchen.

          Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt im nächsten Bericht an selber Stelle.

           

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            Spread the bloody plague!! EA live im Postbahnhof.

            “I mean, look at you, you’re a bunch of freaks!”

            Wer so mit seinem Publikum umgeht, hat entweder ein Egoproblem oder heißt Emilie Autumn (wobei hier psychische Macken durchaus zur Person gehören). Am 3.4.2012 war es mal wieder Zeit für alle Plague Rats aus Berlin und dem Umland, einer Darbietung der einzigartigen EA und ihrer Bloody Crumpets beizuwohnen. Für mich bislang das vierte Mal und es wird auch einfach nicht langweilig.

            Leider stand für das Konzert nicht mehr die große Bühne im Postbahnhof zur Verfügung, denn offenbar wurde dort in der Zwischenzeit umgebaut, so dass EA und ihre Crumpets die Showeinlagen auf ein Minimum reduzieren mussten. Captain Maggot auf Stelzen, Contessa an von der Decke hängenden Tüchern oder diverse Feuereinlagen – leider nicht dabei. Das schmälerte das Konzertvergnügen zwar nur unwesentlich, trotzdem hätte ich mir eine etwas intensivere Deko und mehr akrobatische Showanteile (Captain Maggot mit dem brennenden Hula-Hoop-Reifen bei “Dead is the new alive” war immer eins meiner Highlights) gewünscht.

            Mit dem neuen Album “Fight Like A Girl” im Gepäck entfesselten EA und ihre Begleiterinnen mit z.B. “Time for Tea” oder “Take the Pill” einen sehr düsteren und auch musikalisch vergleichsweise heftigen Konzerbeginn. Mir gefällt der neue Stil, der gegenüber der “Opheliac” noch mehr in Richtung Elektronik geht, sehr, sehr gut. Offenbar wird der Einsatz der Violine gleichzeitig weiter zurückgefahren, was ich bedauern würde. Aber ich kenne ja auch noch nicht alle Titel von FLAG, momentan gibt es noch nicht einmal einen Veröffentlichungstermin. Ich will dieses Album (*nägelkau*)!!

            EA “Time for Tea”, live

            Mit von der Partie waren diesmal Captain Maggot, The Naughty Veronica und die Contessa. Gut bei der kleinen Bühne hätte Aprella wohl auch nicht mehr mit draufgepasst. Maggot gab natürlich wieder die sympathisch überdrehte Piratenbraut, sehr witzig und ein absoluter Quell guter Laune, und fungierte auch teils als Ansagerin. Hörens- und vor allem sehenswert. Nachdem in der ersten halben Stunde des Konzerts kaum mit dem Publikum interagiert wurde, drehten EA und ihre Crumpets dann richtig auf. Von witzigen Dialogen, dem obligatorischen Rat-Game über ein Mitmachspielchen (!) der Contessa bis hin zu einer wahrlich rührenden Dankesrede von EA an ihre treuen Fans war alles dabei, was sich das Herz einer Plague Rat nur wünschen kann. Musikalisch war das Ganze natürlich über jeden Zweifel erhaben, neue Titel mischten sich mit den bekannten Stücken. Einzig “Dead is the new alive” und “I know where you sleep” habe ich schon vermisst, aber die neuen Titel haben das mehr als wett gemacht.

            EA “Fight like a Girl”

            Zum Abschluss gab’s dann noch zwei Zugaben, die EA allein am E-Piano darbot. Neben “Thank God I’m pretty”, was sie anfangs komplett vom Publikum singen ließ (das war schon mächtig beeindruckend), endete das großartige Konzert mit “Mad Girl”, das live immer noch soooooo viel besser wirkt als auf CD.

            EA “Mad Girl” live in Berlin, 3.4.2012

            Ein fantastischen Konzert, aber wer hätte etwas anderes erwartet?

            “Revenge is a dish that is best served now!” (Time for Tea)

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              Kurzreview: “11:11:11 – Das Tor zur Hölle”

              Mal wieder einen Film geschaut.

              Der Titel zeugt nicht unbedingt von Kreativität: “11:11:11  - Das Tor zur Hölle”. Klingt nach einer Mischung aus

              Trailer “11:11 The Gate”

              und

              Trailer “Hellraiser – Das Tor zur Hölle”

              Irgendwie stimmt das auch, denn es kommen Elemente aus beiden Filmen vor, wobei hier keine Dämonen im Stile der Cenobiten zu erwarten sind und alles weit weniger explizit präsentiert wird. Splatter oder auch nur blutige Sequenzen gibt es nicht, von den Verbrennungsszenen und dem Ende mal abgesehen. Vielmehr steht hier der Grusel im Vordergrund.

              Es geht ein weiteres Mal um den 11:11-Mythos, nachdem am 11.11.2011 irgendwas  passieren sollte. Inszeniert ist das ganz nett, stellenweise erinnerten die Lichtstimmung und einzelne Sequenzen sogar an “Lost Highway” von David Lynch. Die Geschichte rund um einen erfolgreichen Schriftsteller, der nach dem Tod seiner Frau und seines Sohnes vom Glauben abgefallen ist, ist zwar nicht sonderlich originell, aber doch stimmig. Einzig die Synchronstimmen, allen voran die des Helden, nerven ab der ersten Sekunde.

              Im weiteren Verlauf entspinnt sich eine teils wirklich spannende Geschichte, inklusive einiger (vergleichweise zahmer) Schocks, einer Prise Geisterhorror und mit einem schönen Schlusstwist. Für Fans des Mystery-Genres keine schlechte Wahl.

              Trailer “11:11:11 – Das Tor zur Hölle”

              Ironischerweise sorgte keine superspannende Gruselsequenz, sondern etwas ganz anderes für die größte Überraschung im Film. An einer Stelle kommt, ganz kurz, nur für wenige Sekunden, Emilie Autumn ins Bild! Sie hat eine Minirolle in einem Internetvideo über die 11:11 Theorie. Das ist ja wirklich ein toller Zufall, zumal EA in zwei Tagen hier in Berlin ein Konzert gibt, auf das ich mich schon seit Monaten freue. Mysteriös, oder?

              11:11:11 mit Emilie

              Vielleicht gibt´s ja am 12.12.2012 irgendeine Überraschung? Wäre ja ein ähnlich “mysteriöses” Datum. Einen entsprechenden Film habe ich bisher noch nicht gesehen, aber das kann ja noch kommen.

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                Voll sozial. Nicht.

                “Aufrunden bitte” prangt nicht nur im Pennymarkt bei mir um die Ecke in großen Lettern. Hintergrund ist, dass man als sozial denkender Mensch beim Einkauf die gezahlte Summe aufrunden soll (um maximal 10 Cent), um das gespendete Geld sozialen Einrichtungen zu Gute kommen zu lassen.

                An der Aktion “Deutschland rundet auf” haben sich eine Reihe von Firmen beteiligt, die allesamt zu Speerspitze der sozialen Bewegung in Deutschland gehören und sich zuvorderst durch hervorragende Arbeitsbedingungen auszeichnen. Gut, das ist gelogen. Denn z.B. Netto und Kik hatten unlängst eher nicht so gute Presse in dieser Hinsicht (vgl. hier oder hier). Aus dieser Perspektive betrachtet drängt sich schon ein schaler Beigeschmack auf, da das Ganze doch seeeeeehr stark nach einer unsagbar dreisten schlecht getarnten Imagekampagne riecht.

                Naja, ich habe mir heute jedenfalls den Flyer zur Aktion mitgenommen und war total gespannt darauf, wie sich die teilnehmenden Unternehmen denn selbst sozial beteiligen. Das Ergebnis war keine Überraschung, das Engagement von Penny beläuft sich auf genau … Nichts. Ich ging in meinem grenzenlosen Optimismus noch davon aus, dass irgend sowas wie “wir verdoppeln alle Spenden und tun was total Gutes” darinsteht, aber – Pustekuchen. Die gesamte Aktion wird auf den Rücken der Kunden aufgetragen, denn diese sind die einzigen, die bei dieser Aktion irgendwas Soziales tun.

                Bei Süddeutsche.de wird über das Projekt und dessen Gründer Christian Vater geschrieben:

                “Die Resonanz ist sehr positiv”, freut sich Vater. Die Frage nach der konkreten Summe sieht er gelassen: “Für uns ist das Spendenvolumen nicht das Maßgebliche”, sagt er, “viel wichtiger ist, wie viele Menschen eigentlich mitmachen und aufgerundet haben. Das ist die viel spannendere Zahl und darauf freue ich mich schon total.” Aufrunden, so Vater, solle so selbstverständlich werden wie Trinkgeld geben, “nur eben für unsere Gesellschaft.”

                Aha, Trinkgeld also. Ich finde ja Trinkgeld generell schon diskussionswürdig, denn nur weil mir ein Kellner mein Essen bringt, und damit nichts anderes als seinen Job macht, hat er in meinen Augen nicht automatisch ein Trinkgeld verdient. Aber das nur am Rande. Viel wichtiger ist, dass Herr Vater hier ganz selbstverständlich voraussetzt, dass die Verbraucher die Kosten seiner Aktion tragen sollen, nicht etwa die Konzerne, die es vielleicht wirklich mal nötig hätten, sich ein wenig sozial zu zeigen. Hier wäre es in meinen Augen nur recht und billig, wenn sich die teilnehmenden Firmen, die sich zweifellos eine Imageverbesserung erhoffen, sich diese auch freiwillig etwas kosten ließen.

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                  1,2 ist noch zu viel

                  Naja, wenn man sonst nichts kann und sich niemand mehr für einen interessiert, dann muss man offenbar grotesken Unsinn vom Stapel lassen. Ganz in diesem Sinne ließ sich FDP-Generalsekretär Döring zu schlicht dummen und beleidigenden Äußerungen in Richtung der Piraten hinreißen. Verständlich, immerhin hat die FDP bei den Landtagswahlen im Saarland sensationelle 1,2 Prozent erzielt. In meinen Augen immer noch zu viel, aber das ist wohl Ansichtssache.

                  Von der “Tyrannei der Masse” war dabei die Rede, was natürlich bedeuten soll, dass ein Haufen irrer Idioten (im Volksmund auch “Wähler” genannt) lieber die Piraten wählen als eine heruntergewirtschaftete, mittlerweile realitätsfremd auftretende Nischenpartei wie die FDP. Selbstverständlich ist der typische Piratenwähler ein runtergekommener Kellernerd ohne soziale Kontakte, der vom Staat lebt, wenn er nicht gerade durch den illegalen Verkauf urheberrechtlich geschützten Materials schwarz was dazu verdient. Oder so.

                  SpOn gibt folgendes Zitat von Döring wieder:

                  “Nur dort, wo auch Minderheiten Rechte haben und es einen offenen, angstfreien Diskurs gibt, kann Demokratie leben. Das haben die Piraten offensichtlich nicht begriffen. Und deshalb sage ich: Die Piraten sind keine liberale Partei.”

                  Klar. In diesem Zusammenhang wird dann auch wieder die Anonymität ins Spiel gebracht, die angeblich der Demokratie nicht förderlich sei. Ach so. Und ich dachte schon, die FDP hätte endgültig den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Schön auch, dass als Beispiel dann noch Stuttgart 21 eingebracht wird, um zu verdeutlichen, inwieweit die Anonymität im Netz die Wirklichkeit verzerren kann.

                  Naja, mit verzerrter Wirklichkeit kennt sie sich ja aus, die FDP. Hoffen wir mal, dass sie auch aus den anderen Länderparlamenten fliegen. Ist ja gar nicht so unwahrscheinlich bei diesem tyrannischen Wahlvolk.

                   

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                    An mein Herz, Dexter Morgan!

                    Ich bin ja eigentlich nicht so der Romanleser. Eher bevorzuge ich Sachbücher, irgendwas über Philosophie, Anthropologie oder Quantentheorie geht immer. Was Romane angeht, bin ich da schon sehr wählerisch und meist lese ich das, was mir geschenkt wird. Zuletzt waren das diverse Mo Hayder Romane, die auch echt nicht übel sind, “Sorry” von Zoran Drvenkar war auch okay (wenn auch recht übertrieben in meinen Augen), “Das Spiel” von Richard Laymon fand ich hingegen fad und ziemlich doof. Typischer Thriller, der überhaupt keine schlüssige Auflösung bietet, sondern zum Schluss irgend einen Täter aus dem Hut zaubert. Gähn.

                    Was mich aber immer wieder in Verzückung versetzt, sind Jeff Lindsays “Dexter”-Romane. Zugegeben kannte ich zuerst die großartige Serie, die man übrigens wirklich unbedingt im Originalton schauen muss, weil die deutsche Synchro wirklich unterirdisch ist. Keinerlei Akzente, Deborahs Gefluche wirkt überhaupt nicht und das ganze Miami-Flair geht völlig unter. Angel Batista spricht absolut akzentfreies Hochdeutsch!

                    Was mir am besten gefällt ist, dass die Handlung der Serie und der Bücher total unterschiedlich ist. Ab Mitte des ersten Buches haben beide nichts mehr mit einander zu tun, so dass es sich auf jeden Fall lohnt, sowohl die Serie als auch die Bücher zu kaufen. Ich habe nun gerade vor ein paar Tagen “Double Dexter” gekauft, den neusten Band von Jeff Lindsays Serienkiller-Saga. Ich liebe Dexters trockene Kommentare, seine Versuche, menschlich zu wirken, sein hilfloses Beobachten menschlichen Verhaltens und seine Bestrebungen, seine niederen Instinkte möglichst gut zu verbergen. Daneben sind die Geschichten herrlich makaber, enthalten jede Menge skurrile Charaktere und strotzen vor schwarzem Humor. Wer hätte gedacht, dass ein psychotischer Serienkiller so sympathisch sein kann?

                    Nachdem ich gerade die fantastische sechste Staffel zu Ende gesehen habe (obwohl die fünfte wegen der grandiosen Leistung von Julia Stiles schauspielerisch noch besser war), freue ich mich umso mehr, dass ich nun weiter einen Teil meiner spärlichen Freizeit mit meinem Lieblingsserienkiller verbringen kann.

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                      B für “Blöd”

                      Nach der medienwirksam inszenierten linguistischen Glanzleistung Katastrophe “C wie Zukunft” legt die CDU jetzt nach, wie ich bei GameStar lesen konnte. Hier ein Auszug aus einem aktuellen Papier:

                      “So sollte neben den Kennzeichnungen der Altersstufen 6, 12, 16 und 18 eine weitere Kennzeichnung hinzukommen: „B“ für Blogs. Eltern sollten bei den  Jugendschutz-Programmen das Alter ihrer Kinder einstellen und zusätzlich entscheiden können, ob auch Angebote mit der Blogger-Kennzeichnung auf dem Computer ihrer Kinder angezeigt werden dürfen – unabhängig von der eingestellten Altersstufe.”

                      (hier gibt´s das Originaldokument zum Download)

                      Im (Achtung: Humor!) “Positionspapier des Medienpolitischen Expertenkreises” wird u.a. von “den Bloggern” gesprochen, als wäre das ein Volksstamm aus Vorderindien. Noch besser aber ist der Vorschlag, eine freiwillige Selbstkontrolle für Bloginhalte einzurichten, die von “der Netzcommunity” (ein Nachbarstamm der Blogger) umgesetzt wird. Grandios.

                      Fassen wir also zusammen: Blogs sind böse. Naja, nicht generell, aber dennoch genug, um eine spezielle Kennzeichnung zu fordern. Ich lasse dann also meine Inhalte von der Netzcommunity gegenlesen (hey, das bringt auf jeden Fall eine Menge Leute auf mein Blog. Ich sollte Banner schalten.) und erhalte dann von denen eine Einschätzung, wie jugendgefährdend mein Blog ist.

                      Klingt blöd toll!

                      Damit das hier nicht falsch rüberkommt, ich bin durchaus für Jugendschutz. Aber bitte, seit wann sorgt denn ein “Bitte sehen Sie nicht hin!”-Schild dafür, dass die Leute einfach weitergehen und eben nicht stehen bleiben um zu gaffen? Eine generelle, freiwillige Einstufung des Inhalts, wie das auch von anderen Diensten schon ermöglicht wird, wäre indes keine so schlechte Idee. Gleichzeitig müsste dann aber eine Möglichkeit geschaffen werden, Jugendschutzprogramme/Browser zu veranlassen, diese Inhalte auszublenden. Und damit meine ich eine Möglichkeit, die nicht jeder Fünftklässler in zwei Minuten umgehen kann (vgl. auch “Netzsperren”). Technisch würde das dann bedeuten, dass jedes (freiwillig teilnehmende, *rolleyes*) Blog einen speziellen, von irgendwem bereitgestellten Code einbinden müsste, der mit diversen Jugendschutzprogrammen kompatibel ist? Und sobald ich in einem einzigen Artikel voller Enthusiasmus über “Dead Space” berichte, wäre kheryha für immer und ewig ab 18? Ach so, oben steht ja, dass die “Blogger-Kennzeichnung” unabhängig von der Altersfreigabe greifen soll. Heißt also, dass, selbst wenn ich nur über Disneyfilme blogge und das “B” einbinde, übereifrige Eltern mein Blog trotz FSK 6 blockieren würden, wenn sie in guter (?) Absicht im Jugendschutzfilter den entsprechenden Haken setzen? Zuende gedacht. Nicht.

                      Das klingt alles supertoll, wenn man für den Jugendschutz trommeln will, aber zu mehr taugt es nicht. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, wie weit in der CDU gedacht wird. Ist irgendwie nicht so besonders weit.

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                        “It´s not a lake, it´s an ocean.”

                        oder: Warum ich keine dünnen Bücher mag.

                        Wie hier schon berichtet, habe ich ja unlängst “Alan Wake” gekauft und mit großer Begeisterung gespielt. Selten hat mich eine Geschichte emotional so gepackt wie Alans Suche nach Alice inklusive finsterer Tagträume, Schattenzombies und Leuchtpistolen. Zwar nicht so gruselig wie Issac Clarkes Höllentrip in “Dead Space 1 & 2″, aber mit noch mehr Geschichte, Hintergrund und voller Anspielungen auf Filme und Bücher, fesselt “Alan Wake” buchstäblich an den Monitor. Dabei stört mich das lineare und teils repetitive Gameplay nicht, stattdessen fieberte ich jeder neuen Wendung der facettenreichen Geschichte entgegen, erschreckte mich teils gehörig bei den wenigen, aber effektvoll eingesetzten Schockmomenten und war begeistert ob der ungaublichen Atmosphäre, die Bright Falls und seine Umgebung ausstrahlen.

                        “Previously on Alan Wake”, Zusammenfassung des ersten Kapitels. SPOILER! Wer es noch nicht gespielt hat und noch spielen will, sollte sich das nicht anschauen.

                        “Alan Wake” ist eines dieser Spiele, die immer viel zu schnell vorbei sind. Dann endet die Geschichte (gut, sie wird in DLCs fortgesetzt und irgendwann kommt bestimmt ein Nachfolger) und lässt den Spieler allein. Wenn es dann, wie im Falle von “Alan Wake”, auch noch ein quasi offenes Ende ist und man plötzlich nicht mehr in der Lage ist, weiter mit Alan zu fiebern und ihm zur Seite stehen zu können, ist das ähnlich frustrierend wie das Ende eines spannenden Buches. Dort wird man auf der letzten Seite ebenso in eine ungewisse Zukunft entlassen.

                        Wo Spiele wie “Bioshock” in meinen Augen nicht erfolgreich waren (ich habe z.B. am Ende trotz nettem Storytwist kaum über irgendwelche Folgen nachgedacht) und selbst “Deus Ex: Human Revolution” nur kurzzeitig zum Philosophieren anregte, gelingt es “Alan Wake” spielend, sich in meinem Kopf festzusetzen. Schade ist hier, dass die beiden DLCs bei weitem nicht die erzählerische Qualität des Hauptspiels erreichen, sondern eher auf Action bzw. Surrealität setzen.

                        Vielleicht liegt das Problem ja auch komplett bei mir? Ich kaufe generell keine dünnen Romane, weil ich mich lange und intensiv auf Geschichten einlassen möchte und damit nicht, gerade wenn man so richtig drin ist im Geschehen, wieder Schluss ist. Vielleicht bin ich deswegen auch Serienfan, weil es da immer weiter geht.

                        Gute Geschichten enden nicht, sie machen Raum für mehr, überlassen es dem Leser/Spieler und dessen Imagination.

                        “It´s not a lake, it´s an ocean”, Alan said.
                        I couldn´t have found better words.

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                          Kunden(des)information

                          Okay, vielleicht wäre ich irgendwann auch selbst drauf gekommen. Zugegeben, wenn man´s weiß, sieht und versteht man es auch. Aber hey, das ist schon sehr seltsam, was Samsung da abliefert. Und dabei wollte ich doch nur ein Headset für mein Galaxy I9000 kaufen…

                          …was ich auch getan habe (dachte ich), nur um dann festzustellen, dass das Ding nicht nur unglaublich schlecht klingt (als wären da ein Stereoexpander und ein ganz merkwürdiger EQ aktiviert), sondern auch keinerlei Headsetfunktionen ermöglicht. Trotz vorhandenem Schalter. Und dabei hatte ich extra zweimal nachgesehen, ob auf der Rückseite der Headsetverpackung auch wirklich der Typ meines Handys steht. Tut er.

                          Naja, Headset wieder zurückgebracht. Aber, und jetzt kommts: Wie mir ein Mitarbeiter bei Saturn mitteilte, stehen bei den Samsung-Headsets hinten auf der Packung die Modelle drauf, die (Trommelwirbel!) NICHT unterstützt werden. Daher ist die Liste auch mit einer Illustration hinterlegt, die einen durchgestrichenen Lautsprecher zeigt. Ja, hatte ich gesehen und gedacht “naja, ist halt nicht laut, sondern ein Headset”. Die Illustration ist recht subtil und es fehlt auch jeder weitere Hinweis auf die Bedeutung. Witzigerweise scheint diese Info ein recht gut gehütetes Geheimnis zu sein, denn wie ich mitbekam, wussten die anderen Saturn-Kollegen nichts von dieser, sagen wir, Eigenheit der samsungschen Packungsbeschriftung. WTF?

                          Das Originalheadset, das dem Handy beilag und in meinen Ohren ziemlich vernünftig klang, ist vergriffen und kann zwar bestellt werden, die Aussicht auf Lieferung ist aber gering. Dann wird es wohl auf eine Headset-Adapter-und-vernünftiger-Kopfhörer-eines-anderen-Anbieters-Lösung hinauslaufen.

                          Toll gemacht, Samsung. Wirklich. Nicht. So bindet man keine Kunden.

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                            Wake up, Alan!

                            Na, wer hätte das gedacht. “Alan Wake”, Remedys Horror-Action-Adventure ist doch noch für den PC erschienen. Für mich als Fan morbider Spiele war das natürlich ein Pflichtkauf, bei Steam gibt´s den Titel zur Stunde für 27,99 € in der Collector´s Edition. Da musste ich zuschlagen.

                            “Alan Wake” ist atmosphärisch ein sehr dichtes Stück Spielekunst geworden, wobei die Horror-Atmosphäre (zum Glück!) nicht so heftig ist wie in “Dead Space 2″, sonst könnte ich das nachts gar nicht spielen. Die Kleinstadt “Bright Falls” ist herrlich “Twin Peaks”-inspiriert, die Geschichte um einen Schriftsteller, dessen eigenes Werk dazu führt, dass seine Welt zusammenbricht, könnte direkt von Stephen Kings tollem Roman “Stark – The Dark Half” (der Film ist indes nicht zu empfehlen) geklaut sein. Sehr schön gelungen sind auf jeden Fall die mysteriösen Momente, in denen das Spiel den Spieler allein lässt mit der Frage, was denn nun real ist und was nicht. Oder ob alles ein böser Traum sein könnte.

                            Impressionen vom Beginn des Spiels:

                            Ich bin jetzt irgendwo in der Mitte des Spiels und bin sehr gespannt, wie das weitergeht. Ja, die Konsoleros kennen das alles schon, aber da ich alter PC-Gamer bin, sind Alans gruselige Abenteuer für mich neu. Die CE enthält übrigens neben dem Soundtrack auch die beiden DLCs, die bislang erschienen sind. Also, Freunde der Nacht, zugreifen!

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                              Mostly Harmless

                              Eigentlich bin ich doch ganz nett, oder?

                              Aber ich kann die Leute ja sogar verstehen. Wer sein Wissen über Subkulturen aus dem Nachmittagsprogramm der Privaten bezieht oder BILD-Leser (und Ernstnehmer!) ist, muss zwangsläufig denken, da säße ein Satanisten-Nazi vor ihm. Wunderhübsch setzt der Betrachter in seinem Kopf ein Mosaik zusammen, das Stück für Stück ein Bild ergibt, das zwar konsistent erscheint, aber dennoch nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein könnte. So nimmt er wahr, so versteht er, der Narr. Und wer will es ihm verdenken?

                              Natürlich verfügt jede Subkultur über ein mehr oder weniger eigenes Repertoire an Symbolen und (was ausschlaggebend ist!) damit verknüpften, meist nur im Szenekontext relevanten Bedeutungen. Es ist also Außenstehenden zumeist kaum möglich, die dargebotenen Symbole so zu verstehen, wie sie gemeint sind. Der Normalbürger sieht ein Zeichen, sucht nach damit verknüpften Assoziationen und schwupps! schon ist da ein Bedeutungszusammenhang. Schwarze Sachen, Lederstiefel, Silberschmuck, Nietenhals- und Armbänder, dazu noch ein merkwürdiger T-Shirt-Aufdruck…fertig ist der Satanist! Wenn der dazu noch Glatze trägt, wird er eben zum Satanisten-Nazi hochgestuft. Klasse, Schubladendenken ist deswegen so beliebt, weil es so einfach ist.

                              Ich mache das natürlich auch. Wenn mir eine solariumverbrannte, blondierte Tussi entgegenkommt, die ihr falsches Gucci-Handtäschen schwingt, habe ich auch sofort eine Assoziation im Kopf. Obwohl ich weiß, dass diese Verallgemeinerungen blanke Faulheit sind, erleichtern sie auch mir den Alltag ungemein. Daher ist es mir durchaus bewusst, dass meine Kleidung bei anderen Menschen bestimmte (je nach individuellem Bildungsstand durchaus sehr verschiedene) Assoziationen weckt. Wenn das sich aber so äußert, dass ich hin und wieder erleben, dass Menschen sich lieber woanders hin setzen als neben mich (und nein, ich verströme keinen modrigen Patchouli-Geruch), finde ich das schon mehr als seltsam. Andererseits bemerke ich zu meinem großen Erstaunen immer wieder, dass gerade ältere Menschen das “Schwarze” offenbar eher positiv aufnehmen. Es gab immer mal wieder Situationen, in denen jemand trotz Dutzender andere Personen drum herum, mich um Rat fragte. Das fiel mir nur auf, weil das zumeist Situationen waren, in denen ich nun wirklich ausgehfein zurechtgemacht war. Sehr spannend, auf jeden Fall. Vielleicht hängt es ja doch damit zusammen, dass die Älteren andere Sendungen im Fernsehen schauen?

                              Natürlich wäre es illusorisch zu verlangen, dass Menschen sich das überall auf der (digitalen) Straße herumliegende Wissen auch mal aneignen, um Symbole und Strömungen besser verstehen zu können, aber man wird ja noch träumen dürfen. Bis dahin versuche ich einfach, als “mostly harmless” durchzugehen, wobei es mir prinzipiell herzlich egal ist, was andere von meinem Aussehen halten. Doch anderen ein Gefühl der Unsicherheit zu vermitteln, weil sie meinen, dass ich gleich meinen Ritualdolch zücke und ein Menschenopfer verlange und dabei vielleicht aus “Mein Kampf” zitiere (vgl.: “Satanisten-Nazi, der”), liegt absolut nicht in meinem Interesse.

                              Vielleicht sollte ich wieder öfter ein wenig Kajal auflegen und schwarzen Nagellack tragen, dann hält man mich wenigstens nur für schwul. Das ist auf jeden Fall besser als Satanisten-Nazi. Auch wenn es genauso wenig stimmt.